Story April 2019 k

 

„Endlich ist uns hier der endgültige Durchbruch gelungen“ freuen sich die Flugzeugschlepp-Experten im oberfränkischen Ebermannstadt! Lange Zeit waren die dortigen Fluglehrer mit ihren Schlepppiloten akribisch am Erforschen der besten Rahmenbedingungen und Flugzeugkombinationen auf der Suche nach einer vor allem risikoverminderten Methodik und Didaktik dieser besonders effizienten Startart.

Wie so oft bei bahnbrechenden Erfindungen, sind die Protagonisten unter Leitung des erfahrenen Testpiloten Retsre Lirpa auf dem Weg zum Erfolg schier verzweifelt und von vielen Rückschlägen heimgesucht worden: ein aufs andere Mal führten entweder Unaufmerksamkeiten der beteiligten Segelflugpiloten bzw. schon schwach ausgeprägte Turbulenzen trotz ausführlichen Briefings zu teilweise gefährlichen Begegnungen; nur durch das beherzte Gegensteuern waren manche haarsträubende Situationen überhaupt zu meistern.

„Dabei wollten wir die weitverbreiteten Vorurteile gegen den Doppelschlepp doch entkräften und somit auch zur dringend notwendigen Kostenreduzierung im Segelflug beitragen“ seufzten die Protagonisten ihr ins Mark gehende Klagelied. Auch wenn die zuverlässige Beherrschung der latenten Gefahr durch die nahe beieinander fliegenden Flugzeuge noch in unerreichbarer Ferne lag, kam das Aufgeben für die überzeugten Enthusiasten nicht in Frage.

Epochale Entwicklungen nehmen oftmals ihren Ursprung im aufmerksamen Beobachten! So kam der Durchbruch zur endgültigen Lösung des Problems auch auf einem „normalen“ Flugzeugschlepp in die Abendsonne auf dem idyllischen Flugplatz Burg Feuerstein in der fränkischen Schweiz: Retsre Lirpa nahm in seinem peripheren Sehen durch die tiefstehende Sonne im Rücken erstmals bewusst die Shilouette seines eigenen Segelflugzeuges wahr. Sein Blick haftete zwar nur für wenige Sekunden auf dem eigenen Schatten, aber dennoch nahm der erfahrene Segelflieger verblüfft zur Kenntnis, dass das „zweite“ Flugzeug exakt jede seiner Bewegungen wie von Geisterhand gesteuert nachgeflogen ist! Auf mehreren folgenden Flügen konnte dieses Phänomen durch gute Absprachen mit den Schlepppiloten verifiziert werden, als mitentscheidend für die Sichtbarkeit wurde eindeutig der jeweilige Sonnenstand als Grundvoraussetzung analysiert.

So sehr sich die Besatzungen auch bemühten, kam es durch den beschriebenen „Synchronflugeffekt“ bei allen durchgeführten Versuchsflügen zu keinerlei gefährlichen Begegnungen mehr! Die maximalen Annäherungswerte wurden in Bodennähe registriert, bei der Landung schienen sich die beiden Flugzeuge sogar zu vereinen. Doch zur großen Erleichterung der Forschergruppe entanden selbst dadurch keine gem. Part-M feststellbaren Beschädigungen an den Flugzeugen – der Durchbruch war gelungen!

Als ideale Bedingungen wurden in der Folge der Untersuchungen folgende Parameter herausgefunden:

  • Für Startrichtung nach Osten (Piste 08 EDQE): Einstrahlung der tiefstehenden Abendsonne von hinten und ca. 20 Grad seitlich der Flugzeuglängsachse
  • Bei Betriebsrichtung nach Westen (Piste 26 EDQE): Einstrahlung der aufgehenden Morgensonne von hinten und ca. 20 Grad seitlich der Flugzeuglängsachse
  • Luv und Lee sowie Seitenwinde spielen dabei keine wesentliche Rolle mehr.
  • Die Übungen verlieren mit zunehmender Flughöhe eindeutig an Wirkung
  • die Methode lässt sich unabhängig der eingesetzten Flugzeugtypen zuverlässig anwenden
  • die Wirksamkeit der Methode ist am besten im exakten Wechsel der Monate März und April

In einem Pilotprojekt hat die Fränkische Fliegerschule Feuerstein nun damit begonnen, mit Retsre Lirpa eine ausgefeilte Dokumentation zu erfliegen; diese soll dem Referat Ausbildung und Lizenzen RAL des DAeC zur Novellierung der Segelflugbetriebsordnung in dem betreffenden Absatz „Ausbildung im Doppelschlepp“ vorgelegt werden soll. Die pfiffigen Oberfranken sind sich sicher, dass ihr Beispiel dann Schule macht, zumindest in der dann gefahrlosen Ausbildung. Welchen praktischen Nutzen der Doppelschlepp dann konkret haben wird, bleibt nach wie vor umstritten – die Zeit nach dem ersten April wird dies zeigen müssen…!